Andacht vom Pastor

Wenn wir einen Film anschauen oder Lichtbilder betrachten möchten, ist es ratsam, den Raum zu verdunkeln, wie es beispielsweise im Kino der Fall ist, da in einem dunklen Raum die auf eine Leinwand oder an eine weiße Wand projizierten Bilder viel klarer zu sehen und besser zu erkennen sind, als wenn sie in einem hellen Raum gezeigt würden. So ist es wohl auch kein Zufall, dass wir das Kommen des Lichtes Gottes in unsere Welt nicht in der hellen, sondern in der dunklen Jahreszeit feiern, und zwar genau dann, wenn die Tage am kürzesten und die Nächte am längsten sind. Denn darin steckt eine aussagekräftige Symbolik.

Gott kommt zu uns in unsere Dunkelheit, so lautet die Botschaft des Weihnachtsfestes. Dunkelheit ist hierbei jedoch nicht im buchstäblichen Sinne gemeint, sondern steht für all das, was wir in unserer Welt an Bedrückendem und Angstmachendem erleben; für all das, was Menschen einander antun und worunter Menschen zu leiden haben; für all das, wo Menschen schuldig werden, wo sie nur noch um sich selbst kreisen, wo sie sich selbst, ihre Mitmenschen und ihre Umwelt zerstören, oder von schlimmen Krankheiten betroffen werden. In unseren Zeitungen oder in den Nachrichtensendungen finden wir in reichlichem Maße Anschauungsmaterial dafür, dass die Dunkelheit im bildlichen Sinne eine überall anzutreffende und unser Leben dominierende Wirklichkeit ist. Hinzukommt, dass wir Menschen unseren eigenen Lebensraum und den der Tiere, die auf unserem Planeten leben, bereits nachhaltig und erheblich zerstört haben, so dass etliche Wissenschaftler im Hinblick auf unsere Zukunft sehr düstere Prognosen erstellen, die an Plausibilität gewinnen, wenn wir uns vor Augen halten, dass bereits schon jetzt zahlreiche Indizien des Kommenden wahrgenommen werden können – man denke nur an den vergangenen Sommer mit seinen unwirtlichen und beängstigenden Begleiterscheinungen. In vielen Gegenden unserer Erde ist das Leben für Menschen aus verschiedenen Gründen sogar schon so unerträglich geworden, dass sie sich auf der Suche nach einer besseren Welt auf lebensgefährliche Reisen begeben. Und schließlich ist mit der sinnbildlichen Dunkelheit auch die Realität des Todes gemeint, die nicht nur die Unglücklichen betrifft, sondern auch jene relativ wenigen nicht verschont, denen ein erfülltes Leben auf der Sonnenseite der Welt vergönnt war. Der Tod stellt letztlich alle menschlichen Leistungen in Frage, wie auch jeden Sinn des Lebens. Wenn doch alles dem Nichts zustrebt und schließlich darin verschwindet, wozu dann die Mühe, die Sorgen, das Streben?

Genau in diese Dunkelheit kommt Gott. Zu Weihnachten soll uns deutlich werden, dass Gott in Jesus Christus in die Welt gekommen ist, um uns zu suchen, weil wir ganz und gar verloren sind. Gott kommt zu uns, weil wir Menschen ihn, unseren Schöpfer brauchen. Zu ihm hin sind wir geschaffen, und ohne ihn treiben wir immer tiefer in die Dunkelheit, in die Verkrümmung in uns selbst und in die Verstrickung unserer Taten hinein. Der christliche Liedermacher Manfred Siebald hat einmal gedichtet: „Es geht ohne Gott in die Dunkelheit, aber mit ihm gehen wir ins Licht, sind wir ohne Gott, macht die Angst sich breit, aber mit ihm fürchten wir uns nicht.“ In diesen einfachen Versen wird die gute Botschaft zum Ausdruck gebracht, die wir Evangelium nennen. Gott geht uns nach in die Dunkelheit, um uns zu sich ins Licht zu holen. Er will uns angesichts der Ausweglosigkeit, in der wir uns befinden, eine Zukunft schenken. Gott möchte aus Menschen, die als Mitverursacher der Dunkelheit wirken, Menschen machen, die sein Licht in die Dunkelheit tragen, die an ihrem jeweiligen Platz die Dunkelheit erhellen und einen Schimmer der Hoffnung in ihrer Umgebung verbreiten, indem sie seine Liebe in Wort und Tat sichtbar werden lassen. Deshalb ist Jesus Christus in die Welt gekommen. Er hat unsere Dunkelheit auf sich genommen, was wir am Karfreitag feiern, wenn wir daran denken, dass er die Schuld aller Menschen getragen und die Strafe dafür ertragen hat. Er hat die Dunkelheit durchbrochen, als er zu Ostern auferstanden ist und uns gezeigt hat, dass es bei ihm eine Zukunft für uns gibt, in der die Dunkelheit keine Rolle mehr spielt, in der kein Leid und keine Tränen mehr sein werden, in welcher der Tod tot sein wird.

Diesem Gott kann man überall dort begegnen, wo Christen zusammenkommen; und zwar auch in unseren Gottesdiensten, in unseren Veranstaltungen und besonders auch im Alpha-Kurs. Zur Begegnung mit ihm ist jeder herzlich eingeladen. Und wie es ab Weihnachten wieder schrittweise heller werden wird, so wird es auch im Leben derer, die sich auf Jesus Christus einlassen, schrittweise und allmählich wieder heller werden.

In diesem Sinne wünsche ich allen eine besinnliche Adventszeit, ein gesegnetes Weihnachtsfest und einen guten Jahreswechsel.

Ihr Pastor Gunter Blaschke

 

HERZLICHE EINLADUNG

zum Gottesdienst und Kindergottesdienst

an jedem Sonntag um 10:30 Uhr

Christuskirche Edewecht