Andacht vom Pastor

Das Jahr 2019 ist noch recht jung – allmählich merken wir, dass die Tage wieder spürbar länger werden und dass die dunkelste Zeit bereits eine ganze Weile hinter uns liegt. Wie ein Stöckchen im rastlos dahinfließenden Strom von Tag zu Tag weitergetragen – ob wir wollen oder nicht. Angesichts dessen mag sich uns freilich die Frage stellen, was das Jahr 2019 uns wohl bringen wird.

Manche werden erwartungsvoll und gespannt in die Zukunft blicken, andere eher sorgenvoll und angespannt. Sowohl im Hinblick auf die Politik, auf das Klima und die wirtschaftliche Entwicklung als auch hinsichtlich des Privaten – in Bezug auf unser persönliches Vorankommen, unsere Gesundheit, unsere Beziehungen, die Erfüllung mancher Träume usw. – gibt es viele Unwägbarkeiten und Unsicherheiten. Einerseits können hoffnungsvolle Erwartungen enttäuscht werden, andererseits können sich aber auch beunruhigende Befürchtungen im Nachhinein als vollkommen unbegründet erweisen. Kurz – über der Zukunft liegt ein für uns Menschen undurchdringlicher Schleier, der all das, was in unseren Terminkalendern stehen und für uns vermeintlich gewiss sein mag, unter einen entscheidenden Vorbehalt stellt: So Gott will und wir leben, wird dieses und jenes wie geplant stattfinden, oder auch nicht. Prognosen bezüglich der Zukunft sind folglich immer fraglich und nur bedingt wahrscheinlich.

Wie gut ist es da, wenn wir wissen, dass wir nicht allein auf dem Wege in die vermeintliche – weil unsichere – Zukunft sind. Gut und wichtig ist, dass wir Menschen haben, die zu uns gehören, in Freud und Leid zu uns stehen, und auf die wir uns verlassen können. In unserer Familie, in unseren Freundeskreisen und hoffentlich auch in unserer Gemeinde sind wir mit Menschen unterwegs, die uns zur Seite stehen, wenn wir sie brauchen, und die darauf hoffen, dass wir auch für sie da sind, wenn sie uns brauchen. Eine solche Gemeinschaft ist wie ein Netz, das uns ein Gefühl der Sicherheit zu geben vermag, im Notfall nicht allein zu sein und ins Nichts zu fallen. Als soziale Wesen brauchen wir Menschen einander; die Gemeinschaft ist deshalb ein nicht zu unterschätzender Wert. Wir sollten unsere Beziehungen sowie die Gemeinschaft, zu der wir gehören, in den Zeiten, in denen es uns gut geht, pflegen und für andere da sein, damit wir in jenen Zeiten, in denen wir auf Unterstützung und Beistand angewiesen sind, im Netzwerk der Menschen, die zu uns gehören, aufgefangen werden und geborgen sind. In diesem Zusammenhang ist auch an die Jahreslosung zu denken, dass wir – besonders im Hinblick auf die Menschen, die zu uns gehören – Frieden suchen und ihm nachjagen sollen, was bedeutet, dass wir da, wo Beziehungen gestört sind, alles daran setzen sollten, die Störung zu beseitigen, wobei es besonders wichtig ist, jenen zu vergeben, die uns verletzt oder Unrecht getan haben. Und wo wir andere verletzt und ihnen Unrecht getan haben, sollten wir die Betroffenen folglich auch um Vergebung bitten. Dass es gut und wichtig ist, in einer Gemeinschaft eingebunden und geborgen zu sein, wird durch das Gotteswort, dass es nicht gut sei, wenn der Mensch allein ist, zum Ausdruck gebracht; und auch Ehepaare, auf die diese Aussage hauptsächlich bezogen wird, sind gut beraten, wenn sie in ein Netz verlässlicher Beziehungen eingebunden sind.

Allerdings muss festgestellt werden, dass auch das Netz der Beziehungen, in denen wir eingebettet sein mögen oder sind, letztlich nicht ausreicht, um unser tiefstes Bedürfnis nach Geborgenheit und Sicherheit zu stillen, denn die Menschen, die zu uns gehören, können uns beispielsweise durch den Tod genommen werden, aber auch durch einen Wohnortwechsel können wir zumindest ihre Nähe verlieren. Besonders Hochbetagte machen oftmals die schmerzhafte Erfahrung, dass alle Altersgenossen, mit denen sie jahrzehntelang unterwegs waren, schließlich verstorben sind. Wichtig ist deshalb, dass wir den kennen, der uns immer nah ist und auch dann noch in unserer Nähe bleibt, wenn die menschlichen Beziehungen schwinden und verloren gehen, den Gott, der uns in Jesus Christus nahegekommen ist und uns eine bleibende Beziehung anbietet, die auch über unseren Tod hinaus Bestand hat.

Zwei Perspektiven im Hinblick auf die Zukunft sollen zum Schluss kurz skizziert werden. Der Tübinger Dichter Hölderlin zeigt uns die eine Sichtweise. Er schreibt in einem seiner Gedichte:

Doch uns ist gegeben,
Auf keiner Stätte zu ruhn,
Es schwinden, es fallen
Die leidenden Menschen
Blindlings von einer Stunde zur andern,
Wie Wasser von Klippe
Zu Klippe geworfen,
Jahr lang ins Ungewisse hinab.


Ein anderer Dichter, der Gott unter einem alten Bild als Weber sieht, der unsere Zeit wie einen Teppich webt, zeigt eine andere Möglichkeit auf, die Zukunft ins Auge zu fassen. Er schreibt:

Wohl dem, der seine Zeit sieht kommen
von einem, der ihn liebt, gewebt,
der auch aus dessen Hand genommen, was er im letzten Jahr erlebt.

Der Webstuhl ist ihm zwar verborgen, doch ist der Weber ihm bekannt,
und er vertraut, es wird mein Morgen gewebt von einer Vaterhand.


Wer sich dem himmlischen Vater anvertraut, der uns durch Jesus Christus seine Gemeinschaft anbietet, der kann getrost und frei von Sorgen und Ängsten in die Zukunft gehen. In diesem Sinne wünsche ich allen Gottes reichen Segen.

Ihr Pastor Gunter Blaschke

 

HERZLICHE EINLADUNG

zum Gottesdienst und Kindergottesdienst

an jedem Sonntag um 10:30 Uhr

Christuskirche Edewecht