Andacht vom Pastor

Vor kurzem haben wir zwei Geschwister zu Grabe getragen, die nach einem langen und erfüllten Leben in die Ewigkeit abberufen worden sind. In den Abschiedsgottesdiensten haben wir uns wieder deutlich vor Augen geführt, dass der Tod jeder und jedem von uns bevorsteht, und dass es deshalb klug ist zu bedenken, dass wir sterben müssen. Doch warum sollte es klug sein, daran zu denken, dass unser Leben hier auf Erden zeitlich begrenzt ist? Diese Frage hat unmittelbar mit dem Osterfest zu tun, das wir in diesen Tagen feiern. Denn dieses Fest weist uns darauf hin, dass der Tod nicht das letzte Wort hat, sondern dass Jesus Christus den Tod überwunden und uns folglich eine völlig neue Perspektive eröffnet hat.

Zugegeben – wenn mit dem Tod alles aus wäre, wenn wir dann im Nichts versinken würden, dann wäre letztlich vieles egal. Dann käme es doch nur darauf an, möglichst viel aus dem Leben zu machen, das Hier und Heute zu genießen und zu hoffen, solange alles gut und weitgehend beschwerdefrei läuft, möglichst lange am Leben teilzunehmen. Ein Bekannter begründete vor einiger Zeit seinen Schritt, seine Frau und seine drei Kinder wegen einer Jüngeren zu verlassen, damit, dass er sich im Alter keine Vorwürfe machen wolle, etwas verpasst zu haben.

Wenn wir jedoch die Botschaft des Evangeliums ernst nehmen, dass mit dem Tod nicht alles aus ist, weil Jesus als der Erste vom Tod auferstanden ist, dann sieht alles ganz anders aus. Das Neue Testament macht uns darauf aufmerksam, dass wir einst vor unserem Schöpfer für unser Leben Rechenschaft ablegen müssen, dass es also nicht egal ist, wie wir hier auf Er-den gelebt haben und wie wir mit unseren Mitmenschen und Mitgeschöpfen umgegangen sind. Unser Leben auf dieser Erde hat Konsequenzen, und zwar ewige Konsequenzen – auch das gehört zur Botschaft des Osterfestes. Deshalb wird uns seitens der Bibel geraten, unser irdisches Leben mit Blick auf die Ewigkeit zu gestalten. Doch wie sieht das aus? Die erste Konsequenz, die gezogen wer-den sollte, wenn wir erkennen, dass unser Leben sich nicht hier auf Erden er-schöpft, sondern dass es eine Zukunft über das Grab hinaus gibt, besteht darin, sich dem Leben zu öffnen, und das bedeutet schlicht und einfach, sich an Jesus Christus zu wenden, der – nach dem Zeugnis des Neuen Testamentes – das Leben ist. Indem er für all das, was wir uns in unserem Leben zuschulden kommen ließen, durch seinen Tod am Kreuz bezahlt hat, schenkt er uns die Möglichkeit der Vergebung. Was auch immer unser Gewissen belasten mag, wir können und dürfen es abgeben und unbeschwert in die – zeitliche und ewige – Zukunft gehen, denn die Auferstehung Jesu zu Ostern zeigt, dass Gott die Begleichung unserer Schuld durch Jesus akzeptiert hat.

Wer jedoch erfährt, dass seine Schuld hinweggenommen worden ist, von dem erwartet Gott auch, dass er bereit ist, anderen das zu vergeben, was sie ihm angetan haben. Wer nicht bereit ist, an-deren zu vergeben, wer unversöhnt mit seinen Mitmenschen lebt und ihnen ihre Verfehlungen nachträgt, der schließt sich damit selbst von der Vergebung aus und wird sein Leben vor Gott verantworten müssen. Der hat auch allen Grund, sich Sorgen zu machen. Wer sein Leben jedoch Jesus, dem Auferstandenen, öffnet, der öffnet sich damit auch seiner Liebe und wird mit seinen Mitmenschen und Mitgeschöpfen liebe-voll umgehen – wenngleich freilich auch noch in menschlicher Unvollkommenheit. Das Osterfest soll uns vor Augen führen, dass Gott uns die Möglichkeit eines neuen Lebens durch Jesus Christus geschenkt hat. Aus diesem Grunde wurden Menschen, die sich Jesus Christus geöffnet hatten, in den ersten Jahrhunderten der Kirche vornehmlich in der Osternacht getauft, und deshalb heißt auch der Sonntag, der dem Osterfest folgt, „Quasimodogeniti“, und das heißt: „Wie die neugeborenen Kindlein.“ Nutzen wir die uns von Gott geschenkte Möglichkeit, öffnen wir Jesus Christus unser Leben und lassen wir uns immer mehr zu Menschen umformen, die sich – von dem Druck eines schlechten Gewissens befreit – liebevoll und zur Vergebung bereit ihren Mitmenschen zuwenden, die ihr Leben für andere hin-geben in dem Wissen, dass sie eine Zukunft über den Tod hinaus haben.

In diesem Sinne wünsche ich allen Gottes reichen Segen.
Ihr Pastor Gunter Blaschke
 

HERZLICHE EINLADUNG

zum Gottesdienst und Kindergottesdienst

an jedem Sonntag um 10:30 Uhr

Christuskirche Edewecht