Andacht vom Pastor

Nach einer hoffentlich erholsamen Urlaubs- und Ferienzeit beginnt für viele von uns wieder der Alltag mit seiner Routine und seinen vielfältigen Herausforderungen. Gern hätten manche sicherlich den Urlaub noch etwas verlängert und die damit verbundene Freiheit noch eine Zeitlang genossen. Manchem mag vor dem Alltagstrott oder dem zu erwartenden Stress vielleicht sogar grauen. Dabei würde die Arbeit doch etwas Schönes, Erfüllendes und Sinnvolles sein, wenn die Arbeitenden ihre Begabungen sowie ihre Individualität in ihrem Beruf – ihrer Tätigkeit – einbringen könnten, genug verdienten, um hinreichend für sich und ihre Familien sorgen zu können und zudem das Gefühl hätten, einen wertvollen und wichtigen Beitrag für die Allgemeinheit zu leisten, der auch entsprechend anerkannt würde. Dass das Wort „Arbeit“ für viele Menschen jedoch einen eher negativen Klang hat, liegt daran, dass es ihnen nicht gelingt, eine intakte Beziehung zu ihrer Arbeit aufzubauen, wobei die Betreffenden dafür zumeist gar nicht die Verantwortung tragen. Viele Menschen sind nämlich gezwungen, sich bei ihrer täglichen Arbeit Belastungen auszusetzen, die ihnen die Freude an der Arbeit rauben und sie auf die Dauer sogar krank machen. Andere sind an ihrem Arbeitsplatz ständig über- oder unterfordert – und beides wird als belastend erlebt. Während die einen nicht wissen, wie sie die Menge ihrer Arbeit bewältigen sollen, gibt es andere, die keine Arbeit finden, obwohl sie sich redlich darum bemühen oder sogar händeringend danach suchen. So gewinnen sie allmählich den Eindruck, für die Gesellschaft nutz- und wertlos zu sein. Außerdem gibt es Berufe oder Tätigkeiten, die zwar für die All-gemeinheit unentbehrlich sind, die denen, die sie ausüben, jedoch keine angemessene Wertschätzung oder Anerkennung einbringen. Schließlich gibt es auch Menschen, die von ihrer oftmals harten und zeitaufwändigen Arbeit nicht leben können und trotz voller Berufstätigkeit zum – von vielen als demütigend erlebten – Gang zum Jobcenter genötigt sind, um Zuschüsse zu beantragen, die notwendig sind, um ihren Lebensunterhalt bestreiten zu können. All diese Erfahrungen – das weiß ich aus etlichen seelsorglichen Gesprächen – sind für die Betroffenen nicht nur schmerzhaft und belastend, sie nehmen ihnen auch jedwede Lust und Freude an der Arbeit.

Als Christen können wir aus dem oben Skizzierten dreierlei ableiten:
1) Auch an unserer Arbeitswelt zeigt sich, dass wir Menschen Sünder sind und in einer gefallenen – maßgeblich von uns selbst geprägten und entsprechend gezeichneten – Welt leben. Denen, die unter ihrer Arbeit oder ihrer Arbeitslosigkeit leiden, stehen nämlich Menschen gegenüber, die – von ihrer Gier oder von anderen unguten Neigungen getrieben – darauf aus sind, möglichst viel Gewinn zu machen und auf Kosten anderer zu leben und voranzukommen. Wer als Christ von der Macht der Sünde befreit ist, der wird sich so nicht verhalten können. Wer sich jedoch so verhält, der zeigt durch sein Leben, dass er weder Gott kennt noch irgendetwas vom Evangelium verstanden hat.

2) Des Weiteren gilt auch für die, die sich im Berufsleben abgehängt, missachtet, ausgenutzt, und nicht ausreichend anerkannt oder entlohnt fühlen, dass sich der Wert eines Menschen – also auch ihr Wert – sowie seine Würde oder der Sinn seines Lebens niemals aus seiner Leistung ergeben kann. Unseren Wert, unsere Würde und unseren Sinn haben wir als Menschen von unserem Schöpfer erhalten, der uns liebt, der an, mit und um uns leidet, und dem wir verantwortlich sind, weil wir alles, was wir sind und haben, durch ihn sind und von ihm haben. Wer das erkennt, für den sind sowohl Arroganz und Stolz als auch jedwede Minderwertigkeitsgefühle sowie aller Neid eigentlich ausgeschlossen und erledigt, wenngleich auch wir Christen zuweilen mit derartigen Neigungen zu kämpfen haben und dabei manchmal unterliegen. Wichtig ist jedoch, dass wir uns nicht damit abfinden.

3) Schließlich sollten wir einander und unseren Mitmenschen für ihre Beiträge zum gesellschaftlichen Miteinander Wertschätzung entgegenbringen, zu denen ja auch die beruflichen Tätigkeiten gehören. Wer einmal darüber nachdenkt, welche Berufe wirklich wichtig und für die Gesellschaft wertvoll sind, der wird neben vielen anderen auch die Krankenschwester, den Altenpfleger sowie den Müllwerker nicht vergessen, ohne die uns etwas ganz Entscheidendes fehlen würde, ja, die für uns sogar unentbehrlich sind. Wenn wir den Lohn dieser Unentbehrlichen einmal mit dem eines – meines Erachtens entbehrlicheren – Spitzensportlers oder manches Popsängers vergleichen, wird uns deutlich werden, dass hier von Gerechtigkeit wirklich nicht gesprochen werden kann. Für uns Christen sollte es charakteristisch sein, dass wir den Unscheinbaren, aber Unentbehrlichen unsere Wertschätzung zeigen, vielleicht durch ein freundliches Wort, vielleicht aber auch auf andere Weise.

Denken wir noch einmal an den – vielleicht schon hinter uns liegenden – Urlaub zurück. Auch ihn konnten wir nur genießen, weil wir in einem wohlhabenden Land leben, das von der Leistung vieler getragen wird, und weil es Menschen gibt, die ihm Rahmen ihrer beruflichen Tätigkeiten – bei der Bahn, an der Tankstelle, im Hotel usw. – dafür gesorgt haben, dass wir einmal genießen und uns umsorgen lassen konnten. Nun können, dürfen und sollen auch wir wieder dazu beitragen, unser Gemeinwesen, von dem wir alle profitieren und für das wir Gott danken können, durch unsere berufliche – oder ehrenamtliche – Tätigkeit zu fördern und zu tragen.

In diesem Sinne wünsche ich allen Gottes reichen Segen
Ihr Pastor Gunter Blaschke
 

HERZLICHE EINLADUNG

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Christuskirche Edewecht