Das Joch hat einen schlechten Ruf. Es steht für Schwerstarbeit. Wenn Menschen unterjocht werden, dann hat man sie zu Sklaven gemacht. Unfrei und rechtlos sind sie dann, der Willkür ihrer Herren preisgegeben. Das Sklavenjoch war eine höchst schmerzhafte Methode, um Sklaven an der Flucht zu hindern. Ein starker Ast, an dessen beiden Enden sich je eine Holzgabel befand, wurde so an den Hälsen von zwei Gefangenen befestigt, dass sie im Abstand von einem knappen Meter fest aneinander gekettet waren. Jede Schmerz für alle beide.
Ein eindrückliches Bild gebraucht der Apostel Paulus damit. Aber wofür steht es?
Paulus denkt an Menschen, deren Verhältnis zu Gott keinerlei kindliches Vertrauen kennt. Gott ist ihnen kein liebevoller Vater, sondern ein gnadenloser Sklaventreiber. Sie stehen unter ungeheurem Druck, denn sie glauben, sie müssten ihr Leben durch fromme Leistungen abarbeiten und abbezahlen.
Diesen Menschen hatte Paulus das Evangelium von der Gnade Gottes gebracht: Durch Jesus bietet Gott jedem Menschen die Befreiung aus der Sklavenmühle an, die Befreiung aus dem ewig erfolglosen Bemühen, sich selbst zu erlösen.
Zuerst war diese Botschaft in Galatien auf fruchtbaren Boden gefallen. Menschen hatten erlebt: Christus befreit uns! Gott nimmt uns als seine Kinder an!
Aber schon bald kam ihnen die eigene Freiheit verdächtig vor. Und nicht we nige ließen sich einreden: „So einfach kann das gar nicht sein! Es gibt im Leben nichts umsonst! Wir müssen etwas leisten, um Gott zufrieden zu stellen!” Und so beugten sie sich wieder unter Forderungen, die aus freien Christenmenschen ängstliche Gesetzeserfüller machten.
Paulus wirbt mit aller Entschiedenheit: Gebt eure Freiheit nicht auf! Denn ihr verliert sonst Christus! Gebt euer Vertrauen in Gottes Liebe nicht auf, denn ihr landet sonst unweigerlich in alten Zwängen.
Es stimmt schon: Freiheit ist gar nicht so einfach zu ertragen. Sie kann auch eine Last sein. Ihr Preis ist nämlich Verantwortung und Entschiedenheit. Sie kostet den Einsatz eines ganz anderen Mittels als des Zwangs, nämlich ein Leben in der Liebe.
Aber dafür gibt es auch ein Joch von ganz anderer Art: keine Qual, sondern eine Tragehilfe, mit der wir die Verant wortung unserer Freiheit stemmen können! Jesus sagt es so:
„Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir … denn mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht.” (Matthäus 11,29.30)
Euer Pastor
Rainer Mittwollen