Zu guter Letzt…“
Diese Worte leiten oft den Abschluss eines Briefes ein. Da wird aufgeschrieben, was nicht unbedingt zum Thema und Anlass des Briefes gehört, aber „zu guter Letzt“ noch gesagt sein soll. In den Briefen des Neuen Testaments ist dies oft auch so. Die Briefschreiber haben ihre Hauptthemen ausführlich behandelt, aber es gibt ein paar Dinge, die noch gesagt werden müssen. „Schlussermahnungen“ steht dann oft als Überschrift in der Bibel. Es geht z.B. darum, wie das Leben der Christen im Alltag gestaltet werden soll, wie man sich in der Gemeinde und in der Familie verhält - und wie es gelingen kann, den Menschen in der Nachbarschaft einen guten Eindruck vom christlichen Glauben zu vermitteln. Was ist zu tun - was ist zu lassen? Das alles wird „zu guter Letzt“ behandelt.
Auch der Hebräerbrief macht es so in seinem letzten Kapitel. Eigentlich ist er gar kein richtiger Brief, sondern eine ausführliche Predigt. Aber das soll ja auch bei Predigten vorkommen, dass da zu guter Letzt noch ein paar grundsätzliche Ermahnungen angefügt werden.Die Schlussermahnungen des Hebräerbriefs sind aber keineswegs unbedeutende Randbemerkungen. Sie orientieren sich ganz zentral an Jesus Christus!
Was ihr getan habt einem dieser meiner geringsten Brüder und Schwestern, das habt ihr mit getan!“ Dieses Christuswort klingt durch bei jeder Mahnung des Hebräerbriefs. Das gilt besonders auch für die Mahnung, an die Gefangenen und Misshandelten zu denken. Leider kommen sie in unseren Gedanken oft nur noch „zu guter Letzt“ vor. Andere Themen und andere Sorgen haben Vorrang - jedenfalls solange wir die Gefangenen und Misshandelten gar nicht persönlich kennen. Das war zur Anfangszeit des Neuen Testaments noch anders: Viele Gefangene waren den Menschen in den Gemeinden persönlich bekannt - sie stammten aus ihrer Mitte. Aber der Hebräerbrief hat es bereits mit der dritten Generation von Christen zu tun. Da haben sich schon Ermüdungserscheinungen in das Gebet und die Aufmerksamkeit füreinander eingeschlichen. Darum muss gemahnt werden. Die Christen werden daran erinnert: Unser Platz ist an der Seite von Jesus. Und so, wie Jesus „draußen vor dem Tor“ gelitten hat, so sind viele Menschen ausgeschlossen von einem Leben in Freiheit und Unversehrtheit. Vergesst sie nicht! Betet für sie! Informiert euch über sie! Und wo ihr könnt: Setzt euch für sie ein!
Eine Möglichkeit dafür ist, die Informationsbroschüren von „Open Doors“ zu nutzen. So kann man informiert beten und handeln. Der Hebräerbrief beschränkt seine Mahnung allerdings nicht auf christliche Gefangene. Darum bieten auch Organisationen wie „Amnesty International“ gute Hilfen, Gefangene und Misshandelte im Blick zu behalten - und auch unsere eigene kirchliche Presse spielt dafür eine wichtige Rolle!
Unsere Aufmerksamkeit ist gefordert! Denn die Menschen, deren Recht auf Freiheit und Unversehrtheit verletzt wird, sollen bei uns nicht nur „zu guter Letzt“ vorkommen.
Trotzdem nun auch von mir ein „zu guter Letzt“:
Allen Leserinnen und Lesern wünsche ich eine erholsame Sommerzeit!
Euer Pastor
Rainer Mittwollen