Das 26. Kapitel aus dem 5. Buch Mose (Deuteronomium) trägt in der Luther-Übersetzung die Überschrift „Darbringung der Erstlingsfrüchte und des Zehnten“. In diesem Kapitel geht es darum, Gott mit den ersten geernteten Früchten zu danken und sich an den langen Weg des Volkes Israel aus Not und Unterdrückung ins gelobte Land zu erinnern. In einer Erntedankzeremonie soll man sich an diesen Weg erinnern, fröhlich sein und sich freuen.
Doch wie können wir Dankbarkeit und Freude über Gottes Führung heute umsetzen?
Ich musste an eine praktische Übung denken, die ich einmal im Zusammenhang mit dem Thema „Resilienz“ (Widerstandskraft) gelernt habe. Sie stammt von der US-Army. Dort stellte man fest, dass 17 % aller Soldaten traumatisiert aus Einsätzen zurückkehren. Deshalb beschloss man, ein umfassendes Fitnessprogramm für Soldaten ins Leben zu rufen: „Comprehensive Soldier Fitness“. Hinter diesem Programm steht der Psychologe Martin Seligmann, der für dieses Programm eine Übung entwickelte. Jede Soldatin und jeder Soldat sollte abends drei Dinge aufschreiben, für die sie oder er im Laufe des Tages dankbar sein konnte. Inzwischen wurde von anderen Psycholog:innen infrage gestellt, ob das für Soldat:in- nen im Einsatz wirklich ausreicht.
In „normalen“ Lebenssituationen scheint das Programm jedoch zu funktionieren. Dahinter steht die Idee, dass wir unseren Sinn für das Schöne trainieren können, indem wir im Alltag auf schöne Momente und Situationen achten. Als Christen können wir abends, nachdem wir uns drei positive Erfahrungen notiert haben, Gott dafür danken.
Für mich wäre dies eine ganz konkrete Umsetzung des Monatsspruchs: „Du sollst fröhlich sein und dich freuen über alles Gute, das der HERR, dein Gott, dir und deiner Familie gegeben hat.”
Euer Pastor Jürgen Woithe, Leer