Andacht vom Pastor

Jesus spricht zu Thomas: Weil du mich gesehen hast, darum glaubst du? Selig sind, die nicht sehen und doch glauben. (Johannes 20,29)

Nicht sehen und doch glauben? Was bleibt uns anderes übrig! Wer in Gedanken das Glaubensbekenntnis durchgeht, muss zugeben: Gesehen habe ich davon fast nichts! Niemand hat Gott, den Vater und Allmächtigen, je gesehen. Keiner war dabei, als Himmel und Erde geschaffen wurden. Niemand von uns war Augenzeuge der Geburt Jesu. Sein Leiden unter Pontius Pilatus haben wir nicht beobachtet. Wir haben weder unter seinem Kreuz noch an seinem Felsengrab gestanden. In das Reich des Todes sind wir nicht mit hinabgestiegen, und wer den Grabstein am Auferstehungstag weggerollt hat, wissen wir nicht. Die Himmelfahrt ist uns ein Rätsel, und in den Thronsaal Gottes haben wir nicht geschaut.

Erst beim dritten Glaubensartikel - bei den Aussagen über den Heiligen Geist – taucht kurz etwas auf, das wir sehen können. Was ist das? Wir selbst: Die „heilige, allgemeine christliche Kirche, und die Gemeinschaft der Heiligen“! Aber schon bei der Vergebung der Sünden, der Auferstehung der Toten und dem ewigen Leben können wir nur noch glauben, aber nicht sehen.
Könnt Ihr glauben, wenn ihr eigentlich nur euch selbst seht? Viele Menschen, die uns sehen - uns, die Kirche, die Gemeinschaft der Christen - können gerade deshalb erst recht nicht glauben! Viel zu unheilig, viel zu zerstritten, viel zu gewöhnlich, viel zu menschlich ist, was es bei uns zu sehen gibt!

Jesus verlangt viel, wenn er blindes Vertrauen seligpreist. Wir möchten so gerne etwas vorzeigen können. Wir möchten nicht mit leeren Händen vor unseren Nachbarn, Kollegen oder unseren eigenen Kindern stehen. Wir möchten etwas in der Hand haben, das überzeugt und nicht zurückgewiesen werden kann.
Jesus nimmt auf diesen Wunsch von Anfang an viel Rücksicht. Dem „ungläubigen Thomas“ führt er geradezu die Hand, als der sich an den Auferstandenen herantasten will. Aber selig wird er davon nicht! Denn Glaube gründet nicht auf handfesten Beweisen. Er ist immer auf Vertrauen angewiesen. Und Vertrauen entsteht durch Begegnung mit der Liebe Jesu. Liebe lässt sich nicht beweisen. Aber sie lässt sich erfahren. Was Thomas erfährt ist dies: Ich werde mit meinen Zweifeln von Jesus ernstgenommen. Er beweist sich mir nicht, aber er nimmt mich an die Hand.
Und Thomas lässt sich an die Hand nehmen. So fängt Vertrauen an.

Allen Leserinnen und Lesern wünsche ich gute und vertrauensvolle Begegnungen, die den Glauben stärken!

 

Euer Pastor
Rainer Mittwollen

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