Andacht vom Pastor

Gerade erst ist ein Gemeindebrief erschienen, da steht auch schon die Redaktionssitzung für den nächsten auf dem Plan – so empfinde ich es jedenfalls. Und das geht nicht nur mir so, wie ich aus vielen Gesprächen weiß. Unwillkürlich kommt mir ein altes Lied in den Sinn, das ich vor vielen Jahren bei Evangelisationsveranstaltungen kennengelernt und oftmals mitgesungen habe. Die erste Strophe lautet: „Es eilt die Zeit, die Stunden fliehn und niemand hält sie auf; auch deine Jahre gehn dahin, wie schneller Wogen Lauf.“ Die rund vierzig Jahre, die seit jenen Evangelisationsabenden vergangen sind, sind zwar – objektiv betrachtet – ein recht langer Zeitraum gewesen, im Rückblick jedoch kommen mir manche Erinnerungen an jene Zeit so vor, als wenn es gestern gewesen wäre.

Der diesem Gemeindebrief beiliegende Kalender endet mit dem Ewigkeitssonntag, mit dem das gegenwärtige Kirchenjahr abschließt. Die deutlich kürzer werdenden Tage führen uns unmissverständlich vor Augen, dass die dunkle Jahreszeit naht, der einige von uns mit freudiger Erwartung, andere eher mit einem mulmigen Gefühl entgegensehen. Daran zeigt sich, dass wir die anbrechende Jahreszeit durchaus verschieden empfinden und gewichten.„goldener Oktober“, der eine jahrhundertelange Tradition hat und wohl auf die gelb-rötliche Färbung der Blätter zurückzuführen ist. Nun ist die Zeit der Ernte, für die wir Christen unserem Gott besonders am Erntedankfest danken. Nun werden wir für die Mühe des Pflanzens und Säens, des Hegens und Pflegens belohnt. Für viele Menschen ist gerade der Herbst mit seinen bunten satten Farben die schönste Jahreszeit.

Doch kaum leuchten die Blätter in goldenem Glanz, schon beginnen sie auch zu fallen und zu vergehen. Auf den prachtvollen Oktober folgt der triste November, der uns daran erinnert, dass alle irdische Schönheit vergänglich und dass unser Leben auf dieser Erde endlich ist. Nicht zufällig gehören der Volkstrauertag sowie der Ewigkeitssonntag – auch Totensonntag genannt – in den November. Die bedrückenden Gefühle und depressiven Stimmungen werden durch trübes und nebliges Wetter, das weithin auch im November anzutreffen ist, noch gefördert. Aus diesem Grunde hat sich der Begriff „Novemberblues“ eingebürgert, der gewissermaßen das Seelentief benennt, in dem sich viele Menschen im November befinden.

Ich denke, dass es gut ist, dass sich uns auf diese Weise im Jahreslauf immer wieder der Gedanke an unsere Vergänglichkeit aufdrängt – ein Gedanke, den wir doch nur allzu gern von uns schieben und verdrängen. Wie wäre es, wenn wir uns mit dieser Wahrheit einmal ernsthaft auseinandersetzen würden. In der Bibel steht hierzu ein wichtiges Wort. Es lautet: „Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.“ (Psalm 90,12) Das ist eine Aussage, die nicht nur für alte und kranke Menschen gilt, denn niemand kann wissen, ob er alt oder krank werden wird. Alle können wir aber gewiss sein, dass wir sterben müssen – das ist todsicher. Von daher sollten wir so mit unseren Mitmenschen umgehen, dass wir nichts bereuen müssen, wenn wir sie irgendwann mal nicht mehr haben. Mit niemanden sollten wir unversöhnt sein – und auf keinen Fall sollten wir versäumen zu lieben und anderen – und zwar besonders den Menschen, die zu uns gehören – Gutes zu tun.

In einem alten Lied heißt es: „Die Zeit ist kurz, o Mensch, sei weise und nutze jeden Augenblick, nur einmal machst du diese Reise, lass eine gute Spur zurück.“ Hast Du Dich schon einmal gefragt, was für eine Spur Du hinterlassen wirst? Das ist der eine Aspekt. Der andere besteht darin, angesichts unserer Sterblichkeit den aufzusuchen und uns an den zu binden, der das Leben ist und uns eine Zukunft über den Tod hinaus zu geben vermag – Jesus Christus. Das Licht der Hoffnung, das er in diese Welt gebracht hat, wird zu Weihnachten erstrahlen und vermag als das Licht der Liebe unsere Dunkelheit zu durchbrechen und zu erhellen.

Wenn der November uns also auf dunkle Gedankenpfade führt, dann lassen wir uns doch ruhig darauf ein, und nutzen wir die langen Abende einmal zum Nachdenken und zum Lesen – auch über unsere Vergänglichkeit. Dann hat auch der November eine gute und heilsame Seite für uns, dann können wir im Bedenken unserer Vergänglichkeit vielleicht sogar klug werden.

In diesem Sinne wünsche ich allen eine gesegnet dunkle Jahreszeit.

Ihr Pastor Gunter Blaschke

 

HERZLICHE EINLADUNG

zum Gottesdienst und Kindergottesdienst

an jedem Sonntag um 10:30 Uhr

Christuskirche Edewecht