Andacht vom Pastor

Wie für eine methodistische Gemeinde gemacht ist dieser Monatsspruch! Man kennt sich, man sieht sich, man ist vielleicht sogar mit Vielen verwandt… Da ist das „aufeinander achthaben“ fast ein Selbstläufer.

Schön, wenn wir einander so gut im Blick haben, dass wir es merken, wenn jemand Hilfe oder Ermutigung braucht. Schön, wenn wir sie dann auch anbieten und uns gegenseitig stützen. Schön, wenn unsere Gemeinschaft so gut funktioniert, dass wir uns gegenseitig anspornen und die Arbeit nicht nur an Einzelnen hängen bleibt. Am schönsten, wenn das alles in einer liebevollen Atmosphäre geschieht. So kann Vertrauen wachsen und die Gemeinschaft gewinnt!

Aber der Selbstläufer könnte auch eine ganz andere Richtung nehmen: Aus der Achtsamkeit könnte gegenseitige Kontrolle werden. Statt des Ansporns könnte eine Atmosphäre des Zwangs entstehen. Gute Werke würden dann im Rechtfertigungsdruck versanden – „ich mach doch schon so viel…!“ Tatsächlich warnt der Hebräerbrief gleich im nächsten Vers davor, „die Versammlungen zu verlassen, wie einige zu tun pflegen“. Da hätten wir schon ein gutes Stück Kontrolle: „Kommst du auch regelmäßig in den Gottesdienst?“

Vielleicht geht es gar nicht anders: Wo viel Nähe ist, wird eben auch jedes Abweichen aufmerksam registriert.

Darum ist es wichtig zuerst auf die Norm zu achten, die der Hebräerbrief unserem Monatsspruch voranstellt: „Lasst uns festhalten an dem Bekenntnis der Hoffnung!“ Unsere Gemeinschaft hat ihren Zusammenhalt nicht zuerst dadurch, dass wir einander gut im Blick behalten und schon gar nicht durch gegenseitige Kontrolle. Denn wenn wir uns nur aneinander orientieren, fehlt uns das Wesentliche: Die Hoffnung, die ihren Grund in der Treue Jesu Christi hat. Zuerst hat nämlich Jesus auf uns Acht und spornt uns zur Liebe und zu guten Werken an. Das entlastet uns davon, eine Gemeinde von Selbstläufern sein zu müssen. Wir können Jesus nachfolgen, können seine Blickrichtung annehmen und dabei auch den Blick weiten über die wohlbekannten eigenen Kreise hinaus!

Für die Herbstzeit wünsche ich uns diese Achtsamkeit: Zuerst auf Jesus – und mit ihm für alle Menschen, denen seine Liebe gilt.   

Euer Pastor Rainer Mittwollen

HERZLICHE EINLADUNG

zum Gottesdienst und Kindergottesdienst
an jedem Sonntag um 10:30 Uhr