Andacht vom Pastor

Meine Seele dürstet nach Gott, dem lebendigen Gott. (Psalm 42,3) 

Jubeln sollen die Bäume des Waldes vor dem Herrn, denn er kommt, um die Erde zu richten. (1. Chronik 16,33)

Sommerzeit ist für viele Menschen Reisezeit – selbst wenn es „nur“ eine Lesereise ist. Wer dabei das eigene Land verlässt, kann mitunter auf ungewohnte Landschaften stoßen. Sie können ein Anstoß dafür sein, die Bilder des Glaubens neu zu beleben.

Ich verbinde jedenfalls die Monatssprüche vom Juli und August mit Landschaften, die ich auf Reisen kennengelernt habe:

Eine Bibelstudienreise nach Israel hat uns auch in die jüdische Wüste geführt. Karges Geröll, schroffe Felsen, glühende Sonne. Da zitiert unser Reiseleiter aus Psalm 42: Wie der Hirsch schreit nach frischem Wasser, so schreit meine Seele, Gott, nach dir. Meine Seele dürstet nach Gott, dem lebendigen Gott. Und er sagt dazu: „Ihr Deutschen stellt euch dabei immer einen röhrenden Hirsch vor und fragt euch: Wieso muss der nach Wasser schreien? Schaut euch einmal um! Der hebräische Text meint einen Steinbock hier in der judäischen Wüste!“ Mit einem Mal wird für mich anschaulich und spürbar, was es heißt, durch Durstrecken des Glaubens zu gehen. Die Seele dürstet! Sie sehnt sich nach Gottes Hilfe, sie streckt sich nach ihm aus! Aber sie bekommt auch eine Antwort: Harre auf Gott, denn ich werde ihm noch danken, dass er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist.

Ein Sich-Ausstrecken nach Gott meint auch das Bibelwort aus dem 1. Chronikbuch. Hier ist es allerdings die Freude über Gott, die dazu führt. Voller Jubel heben Menschen ihre Arme zum Himmel – wie Bäume, die ihre Äste dem Licht entgegen recken. Nie habe ich das so beeindruckend gesehen wie auf unserer Silberhochzeitsreise in den Sequoia Nationalpark. Die Mammutbäume dieses Parks erreichen unvorstellbare Höhen. Wer sich unter ihnen bewegt, fühlt sich winzig klein – und ist es ja auch! Ihre überwältigende Größe flößt Ehrfurcht ein und ist doch selbst ein Ausdruck der Bewunderung für die Größe Gottes: Er richtet das Erdreich! Alles, was lebt, ist ihm verantwortlich; und allem, was lebt, wendet er sich zu.

Dazu wollen uns die Monatssprüche der Sommerzeit 2022 ermutigen: Dass wir uns ausstrecken nach Gott mit sehnsüchtiger Erwartung und in ehrfürchtiger Freude. Allen Leserinnen und Lesern wünsche ich, dass sie dabei immer wieder auf die Quelle und das Licht des Lebens stoßen!

Euer Pastor Rainer Mittwollen

HERZLICHE EINLADUNG

zum Gottesdienst und Kindergottesdienst
an jedem Sonntag um 10:30 Uhr