Andacht vom Pastor

Nun bekommt Ihr einen kleinen Gruß zu Pfingsten, der vielleicht dazu beitragen kann, die Bedeutung dieses wichtigen Festes, dass ja auch Geburtstag der Kirche genannt wird, besser zu verstehen. Dazu möchte ich unseren Blick auf das Pfingstereignis lenken, das Anfang der 30er Jahre unserer Zeitrechnung in Jerusalem stattgefunden hat und uns vom Evangelisten Lukas überliefert worden ist (Apostelgeschichte 1 & 2).

Die Situation der Menschen, die ihre Hoffnung auf Jesus gesetzt hatten, war problematisch geworden. Schon seit zehn Tagen hatten sie Jesus nicht mehr gesehen und nichts mehr von ihm gehört. Er war einfach auf und davon. Ganz plötzlich. Doch er hatte noch etwas gesagt, kurz bevor er sie verließ. Was war das noch? „Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird.“ Ja, das hatte Jesus gesagt. Und nun saßen sie da und beteten.

Gewiss, sie hatten schon einiges über der Heiligen Geist gehört. Das war doch der Geist, der bei der Schöpfung über dem Chaos schwebte. Auch kannten sie die Erzählungen aus dem Richterbuch der Bibel. Da hatte es eine Zeit gegeben, in der es im Volk Israel keinen König und keine Regierung gab. Wenn dann das Volk von Feinden bedrängt wurde, hatte der Geist Gottes kurzerhand einen Mann oder eine Frau ergriffen, und die wurden dann zu Rettern des Volkes. Dann waren da noch die Propheten, die vor einigen hundert Jahren gepredigt und geschrieben hatten. Die Propheten hatten auch immer wieder gesagt, dass der Geist Gottes sie rief, sie bewegte und sie wissen ließ, was sie schreiben sollten. Doch auch das war bereits sehr lange her.

Es ist ein großer Unterschied, ob man etwas nur vom Hörensagen kennt oder ob man es selbst erfahren hat. Bisher hatten die Jünger nur vom Geist Gottes gehört oder gelesen. Und so saßen sie auch am Fest der Weizenernte beisammen und beteten. Da hörten sie plötzlich ein Brausen, das immer stärker werdend das Haus erfüllte, in dem sie zusammengekommen waren. Und zugleich erschienen über ihnen kleine Feuerflammen, die sich auf jeder und jedem von ihnen niederließen. Da wurden sie mit dem Heiligen Geist erfüllt und fingen an, in anderen Sprachen zu reden, wie der Geist es ihnen gab.

Nun erfuhren die Jünger, dass das, was sie immer gehört und gelesen hatten, sich mit ihnen und unter ihnen ereignete. Und das ist auch Gottes Wille für uns. Auch wir sollen erfahren, dass das, was wir in der Bibel lesen und in Predigten hören, noch heute wahr werden kann und gelegentlich auch wahr wird. Gottes Geschichte soll sich auch mit und unter uns ereignen.

Die Jünger verließen das Haus. Bürger Jerusalems strömten zusammen und sind verblüfft. Unter den in Jerusalem lebenden Juden gab es damals eine große Zahl von Menschen, die in fremden Ländern geboren und aufgewachsen waren und erst später nach Jerusalem kamen. Sie stellten jetzt erstaunt fest, dass die Jünger in ihren Sprachen Gottes große Taten verkündigen, in Sprachen also, die sie gar nicht gelernt haben. Gottes Geist verleiht ungeahnte Fähigkeiten. Das ist das Erste, was hier deutlich werden soll. Gottes Geist verleiht solche Fähigkeiten, die uns helfen, für andere in besonderer Weise da sein zu können. Das ist dabei besonders zu beachten. Er gibt diese Gaben keinesfalls zur Selbstdarstellung oder zum persönlichen Genuss. Das andere ist, dass die Hörer ja durchaus in der Lage waren, die aramäische Sprache zu verstehen, die damals in Israel gesprochen wurde. Von daher war die Sprachenrede auf der einen Seite nur ein Zeichen dafür, dass der Geist Gottes dafür sorgen will, dass alle Menschen das verstehen, was Gott ihnen zu sagen hat. Denn der Geist Gottes möchte uns Menschen mit Gottes Gedanken vertraut machen. Wir sollen wissen, was Gott über uns denkt, wir sollen erfahren, dass er uns liebt und was er für uns getan hat. Gott möchte eine Beziehung zu uns aufbauen und deshalb sorgt er dafür, verstanden zu werden.

Auf der anderen Seite zeigt sich an dem Sprachwunder, dass Gott die Sprache des Herzens reden will, wenn er mit einem Menschen redet. Wir sollen nämlich nicht nur mit dem Verstand, sondern auch mit dem Herzen verstehen, was er uns zu sagen hat. Ich habe einige Jahre in einem Pflegeheim in Baden-Württemberg gearbeitet. Da habe ich auch gelernt, wie wichtig es ist, die Sprache des Herzens (dort war es das Schwäbische) zumindest ansatzweise zu sprechen. Gottes Geist möchte mit dem, was er uns verkündigen lässt, unsere Herzen erreichen und unsere Liebe erwecken. Er möchte von dir verstanden werden, mit dem Verstand und mit dem Herzen. Deshalb möchte er zu uns in unserer Muttersprache reden. Darin liegt ein Grund, warum es die Bibel in so vielen Sprachen gibt, und warum es durchaus auch sinnvoll ist, die Bibel auch dort in eine Landessprache zu übersetzen, wo man ihre Botschaft in einer internationalen Verkehrssprache (z. B. Englisch) ja auch verstehen würde.

Manche der damals Zusammengekommenen wunderten sich und fragten, was das wohl zu bedeuten habe. Andere aber fanden das komisch und meinten, die Jünger Jesu hätten vielleicht Alkohol getrunken.

Deshalb ergriff nun Petrus das Wort und erklärte den Zuschauern, was das alles zu bedeuten habe. Denn einige Propheten hatten schon Jahrhunderte zuvor vorausgesagt, dass Gott seinen Heiligen Geist ausgießen würde. Und dann macht Petrus die Zuhörer mit dem besonderen Anliegen Gottes bekannt, das alle hören sollen, weil es für jeden Menschen wichtig ist. Das Anliegen Gottes ist Jesus Christus. Der war sieben Wochen zuvor in Jerusalem gekreuzigt worden. Der Heilige Geist ist nicht darauf aus, sich selber zu thematisieren. Er will sich nicht in den Mittelpunkt stellen. Er ist eher ein Hintergrundarbeiter, wie wir manche ja auch in unseren Gemeinden haben. Ohne solche Hintergrundarbeiter würde vieles nicht laufen, aber sie selber treten nur selten oder gar nie in Erscheinung. So will der Geist Gottes auch im Verborgenen wirken und auf keinen Fall ins Rampenlicht gestellt werden. Ihm liegt vielmehr alles daran, Jesus zu verherrlichen und ihn als den Herrn und Heiland ins Zentrum zu stellen. Wo Jesus Christus geliebt und verehrt wird, da freut sich der Geist Gottes. Er will die Herzen für Jesus erwärmen. Und er will unsere Herzen füreinander erwärmen, weil das dem Wunsche Jesu entspricht. Er möchte, dass alle, die an Jesus Christus glauben und zu ihm gehören, auch einander lieben und füreinander da sind.

Dass wir einen Herrn haben, der sich selbst für uns dahingegeben hat und durch den wir Gott unseren Vater nennen können, und dass der eine Geist in uns wohnt und uns bewegt, das ist es, was wir als Christen gemeinsam haben. Dagegen sind unterschiedliche Meinungen oder Gepflogenheiten, die wir eventuell feststellen mögen, belanglos. Lasst uns deshalb nie vergessen, was uns eint, damit wir in seinem Namen zusammenstehen und ihm Ehre machen. Von jenen ersten Christen, die den Geist Gottes bekommen hatten, heißt es: „Sie blieben aber beständig in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet.“

Leider ist uns momentan eine solch uneingeschränkte Gemeinschaft, wie viele unter uns sie sich wünschen und ersehnen, nicht möglich. Doch wir dürfen sicher sein, dass die erhoffte „Normalität“ Schritt für Schritt zurückkehren wird. Vielleicht werden wir dann noch viel besser und tiefer verstehen und zu schätzen wissen, dass das vermeintlich „Normale“, die Gemeinschaft, die Gottes Geist uns schenkt, etwas ganz Kostbares und Besonderes ist, das wir dankbar genießen dürfen und sollten.

In diesem Sinne wünsche ich Euch allen ein gesegnetes Pfingstfest. 

Euer Pastor Gunter Blaschke

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